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Das palästinalied ist wohl eins der bekannsten Mittelalterlieder und ein eingängiger Marktklassiker auf allen Mittelaltermärkten.

LiedgeschichteBearbeiten

Das Palästinalied ist ein Text von Walther von der Vogelweide; anlässlich welches (tatsächlich stattgefundenen oder nur geplanten) Kreuzzuges es gedichtet sein könnte, ist unbekannt. Überliefert sind 13 Strophen in mittelhochdeutscher Sprache. Davon stammen sicher nicht alle von Walther, einige sind spätere Zudichtungen. Die Anzahl der echten Walther-Strophen ist umstritten; es sind mindestens sieben; diese sind in der Handschrift A (Kleine Heidelberger Liederhandschrift) enthalten. Ob bzw. wie viele der nur in jüngeren Handschriften überlieferten weiteren Strophen von Walther sind, ist umstritten.thumb|300px|right

Es ist ein politisch-religiöses Propagandalied und das einzige Lied Walthers, welches vollständig mit einer Melodie überliefert wurde. Die früheste Quelle für die Melodie ist das Münstersche Fragment, eine Liederhandschrift aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts; also gut 100 Jahre nach Walthers Tod; man kann daher nicht sicher sagen, ob sie nicht bereits verändert wurde, was besonders in der Diskussion eine Rolle spielt, ob Walther in ihr eine französische Melodie benutzte (‚Kontrafaktur‘) oder sich nur von ihr inspirieren ließ. Linienlose Neumen in der Handschrift der Carmina Burana sind undeutbar.

Inhaltlich setzt das Palästinalied einen Schwerpunkt auf religiöse Aspekte und besitzt politische Ambitionen. Walther von der Vogelweide vergegenwärtigt den christlichen Anspruch auf die Palästinaregion, indem der Protagonist an einem Kreuzzug in das sogenannte Heilige Land teilnimmt. Mit der Strophe "Kristen, juden, heiden" weicht er nicht von der zeitgenössischen Meinung ab, indem er ausdrücklich den Anspruch aller drei Religionen auf das Heilige Land zugunsten des Christentums auslegt (vgl. die entsprechende Stelle in der letzten Strophe). Ob Walther persönlich an einem Kreuzzug teilgenommen und die heiligen Stätten geschaut hat, geht daraus nicht hervor.

Vom Palästinalied überliefert die Handschrift A 7 Strophen, andere Hss. bis zu 11, aber zum Teil unterschiedlich auswählend. Die abweichende Strophenzahl kann verschieden erklärt werden. Übereinstimmung besteht, dass eine nur in zwei Hss. überlieferte und inhaltlich sehr dürftige Strophe "3" nicht von Walther sein kann, sondern dass da jemand zu einem bekannten Lied etwas dazudichtete. Die sieben Strophen, die sicher von Walther sind und vier weitere, von denen bisweilen gesagt wird, sie könnten von Walther stammen, folgen hier; die vier nicht in A befindlichen, deren poetische Qualität nicht ganz auf der Höhe der 7 A-Strophen liegt, in Kleindruck.

Alte ClamatBearbeiten

Oft wird auch das Trinklied "Alte Clamat Epicurus" (Carmina Burana 211) auf die Melodie des Palästinaliedes gesungen, weil es vom Versmaß und von der Textlänge her genau auf die Melodie passt. Unter Anderem singen Slatatio Mortis nur diesen Teil in ihrer Version des Liedes, Obwohl es als Palästinalied (Via Infernale) betitelt ist.

TextBearbeiten

1

Álrêrst lébe ich mir werde,
sît mîn sündic ouge siht
daz here lant und ouch die erde,
der man sô vil êren giht.
ez ist geschehen, des ich ie bat:
ích bin komen an die stat,

dâ got menischlîchen trat.

Nun erst lebe ich würdig,
seit mein sündiges Auge sieht
das reine Land und auch die Erde,
der man so viel der Ehren gibt.
Mir ist passiert, worum ich stets bat
ich bin an die Stätte gekommen,
wo Gott die Menschwerdung antrat.
2

Schoeniu lant, rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist dûs ir aller êre.
waz ist wunders hie geschehen!
daz ein magt ein kint gebar,
hêre über áller engel schar,

wáz daz niht ein wunder gar?

Schöne Länder, reich und herrlich,
was ich von solchen bis heute gesehen,
so bist du ihrer aller Krone.
Was für ein Wunder ist hier geschehen!
Daß eine Magt ein Kind gebar,
erhaben über aller Engel Schar,
war das nicht ein vollkommenes Wunder?
3

Hie liez er sich reine toufen,
daz der mensche reine sî.
dô liez er sich hie verkoufen,
daz wir eigen wurden frî.
anders waeren wir verlorn.
wól dir, spér, kriuze únde dorn!

wê dir, heiden, dáz ist dir zorn!

Hier ließ er, der Reine sich taufen,
damit der Mensch rein sei.
Dann ließ er sich hier verkaufen,
damit wir Leibeigene frei würden.
Anderenfalls wären wir verloren.
Wohl Dir, Speer, Kreuz und Dorn!
Weh Dir, Heiden, das ist Dir ein Ärgernis!
4

Dô ér sich wolte über úns erbarmen,
dô leit er den grimmen tôt,
ér vil rîch über úns vil armen,
daz wir komen ûz der nôt.
daz in dô des niht verdrôz,
dâst ein wunder alze grôz,

aller wunder übergenôz.

Da er sich wollte unsrer erbarmen,
da erlitt er den grausamen Tod,
er, der Allmächtige, über uns so Armselige,
damit wir entkämen der Not.
Daß ihn das damals nicht verdroß,
das ist ein Wunder übergroß,
das aller Wunder, seinesgleichen nicht hat.
5

Hinnen vuor der sun ze helle,
vón dem grábe dâ ínne lac.
des wás der vater ie geselle
únd der geist, den nieman mac
sunder scheiden, éz sî ein,
sleht und ebener danne ein zein,
als er Abrahâme erschein.

Von hier fuhr der Sohn zur Hölle,
von dem Grabe, darin er lag.
Dabei war stets des Vaters Beistand
und der Geist, den niemand kann
gesondert scheiden, es soll eins sein,
klar und weiter als ein Schein,
so wie er Abraham erschien.
6

Dô ér den tuifel álsô geschande
daz nie keiser baz gestreit,
dô vuor ér her wíder ze lande.
dô huob sich der juden leit:
dáz er, hêrre, ir huote brach
und dáz man ín sît lebendig sach,
dén ir hant sluog unde stach.

Als er den Teufel dort geschunden,
wie nie ein Kaiser besser stritt,
da kam er wieder zum Land.
Da hob sich an der Juden Leid:
Daß der Herr ihre Bewachung brach
und daß man ihn dann lebend sah,
den ihre Hand schlug und stach.
7

Da nâch was er in dem e lande
vierzic tage, dô vúor er dar,
dannen in sîn vater sande.
sînen geist, der uns bewar,
dén sant ér hin wider ze hant.
heilig ist daz selbe lant,
sîn náme, der íst vor got erkant.

Danach war er in dem Lande
vierzig Tage, dann fuhr er dorthin,
woher ihn sein Vater sandte.
Seinen Geist, der uns bewahre,
den sandte er gleich wieder her.
Heilig ist eben dieses Land,
sein Name, der ist vor Gott anerkannt.
8

In daz lant hât er gesprochen
einen angeslîchen tac,
dâ der weise wirt gerochen
und diu witwe klagen mac
und der arme den gewalt,
den man hât mit in gestalt.
wol im dort, der hie vergalt!

Auf das Land hat er gesprochen
einen schrecklichen Gerichtstag,
an dem der Waise wird gerächt
und die Witwe Klage erheben kann
und der Arme gegen die Gewalt,
die man ihnen angetan hat.
Wohl ihm dort, der hier vergilt!
9

Únserre lántréhter tihten
fristet dâ niemannes klage,
wan er wíl dâ zé stunt rihten.
sô íst ez an dem lesten tage.
und swer deheine schulde hie lât
unverebent: wie der stât
dórt, dâ er pfánt noch bürgen hât.

Nicht wie unsere Landrichter täten
schiebt man da niemandes Klage auf,
denn er wird da sofort richten.
So wird es am letzten Tage sein.
Und wer irgendeine Schuld hier läßt
ungetilgt: Wie steht der da,
dort, da er weder Pfand noch Bürgen hat.
10

Ír lât iuch des niht verdriezen,
daz ich noch gesprochen hân?
sô wil ich die rede entsliezen
kurzwîlen und iuch wizzen lân,
swáz got wúnders hie noch lie,
mit der werlte ie begie,
daz huob sich dort und endet hie.

Ihr laßt euch dessen nicht verdrießen,
was ich bis jetzt gesprochen habe?
so will ich die Rede weiterführen
in Kürze - und euch wissen lassen,
was Gott an Wundern hier noch werden ließ
und für die Welt ins Werk gesetzt hat,
das hub dort an und wird hier enden.
11

Kristen, juden und die heiden
jehent, daz díz ir erbe sî.
gót, müeze éz ze rehte scheiden
durch die sîne namen drî.
al diu werlt, diu strîtet her:
wir sîn an der rehten ger.
reht ist, daz er uns gewer!

Christen, Juden und die Heiden
behaupten, daß dies ihr Erbe sei.
Gott müsse es zu Recht entscheiden
um seiner drei Wesenheiten willen.
Die ganze Welt, die streitet hierüber:
Wir sind an der rechten Seite.
Recht ist, daß er es uns gewähre!
12

Mê dann hundert tûsent wunder
hie in disem lande sint,
dâ von ich niht mê besunder
kan gesagen als ein kint,
wan ein teil von unser ê.
swem des niht genúoge, der gê
zúo den júden, die ságent im mê.

Mehr denn hunderttausend Wunder
sind hier in diesem Lande,
davon ich nicht mehr im einzelnen
sagen kann als ein Kind,
außer einem Teil von unserem Recht.
Wem dies nicht genügt, der gehe
zu den Juden, die sagen ihm mehr.
13 Vrowe min, durch iuwer güete
nu vernemet mine clage,
daz ir durch iuwer hochgemüete
nicht erzuernet, waz ich sage.
Vil lihte daz ein tumber man
misseredet, als er wol kann.
daran solt ir iuch nicht keren an .
Meine Dame, durch eure Güte
vernehmt nun meine Klage,
damit ihr durch euer hohes Gemüt
von dem was ich sage nicht erzürnt.
Vielleicht, daß ein ungeschickter Mann
schlechter redet als er könnte
daran sollt ihr euch nicht stören.

InterpretationenBearbeiten

Unter anderem von: